12.10.2012

USV-Bereich – Eine große Nische

Interview mit W. Axthammer, H. Colell & K. Menzel

Autor: Sven Geitmann
Hzwei, Magazin für Wasserstoff und Brennstoffzellen, Okt. 2012

Das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) verfügt  über 700 Mio. Euro an Fördergeldern, die im Zeitraum von 2007 bis 2016 für Einzelvorhaben und Leuchtturmprojekte investiert werden sollen. Clean Power Net (CPN) ist das Leuchtturmprojekt „Brennstoffzellen für unterbrechungsfreie Stromversorgung in Industrie und Business“. Im Februar 2012 fand die erste Vollversammlung statt, auf der Dr. Henrik Colell zum Sprecher und Dr. Karsten Menzel zu seinem Vertreter gewählt wurden. HZwei sprach mit ihnen sowie mit Wolfgang Axthammer, dem zuständigen Programmleiter bei der NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, über die schwierige Gründungsphase und die Ziele von Clean Power Net.

HZwei: Sehr geehrter Herr Axthammer, die NOW hat Clean Power Net ins Leben gerufen. Bitte erläutern Sie kurz, wie dieser Name entstanden ist.

Axthammer: Das ist eine gute Frage. Wir kommen von dem Bereich Unterbrechungsfreie Stromversorgung, der explizit im Nationalen Entwicklungsplan als Schlüsseltechnologie identifiziert wurde. Da aber der Begriff „unterbrechungsfreie Stromversorgung“ nicht zwingend positiv besetzt und zudem etwas sperrig ist, suchten wir nach einem Namen, der international verstanden wird, griffig ist und mit sauberer Energie zu tun hat. Das fing an mit „Clean Power Supply“. Dann wollten wir aber den Netzwerk-Charakter noch stärker betonen und landeten bei „Clean Power Net“.

Schließlich ist es uns auch ein Anliegen, die Marktvorbereitung für die Brennstoffzelle vor allem auch mit Blick auf die für die deutschen Firmen wichtigen Exportmärkte voranzubringen.

HZwei: Können Sie uns kurz darlegen, was bisher zur Vorbereitung dieses Leuchtturms geschehen ist?

Axthammer: Die Historie ist so, dass wir von der NOW einige Anstrengungen unternehmen mussten, um die Firmen auch wirklich mal an einen Tisch zu bekommen. Weil wir das nicht selber machen wollten und konnten, haben wir jemanden gesucht, der bereit war, das zu tun. Der wollte dafür aber natürlich auch bezahlt werden – verständlicherweise. Dafür konnten wir das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gewinnen, das bereit war, eine Anschubfinanzierung für den Aufbau dieses Netzwerkes zu leisten. Das fing im März 2010 an. Daraufhin wurden 100.000 Euro aus Bayern bereitgestellt, wovon ein Unternehmensberater zusammen mit einer Kommunikationsagentur den Aufbau der Internet-Seite, die ersten Flyer und den Auftakt-Workshop im Oktober 2010 in München organisierte.

HZwei: Beim Auftakt-Workshop waren zunächst 39 Teilnehmer dabei, im August 2011 haben letztlich aber nur 21 Partner das Memorandum of Understanding unterschrieben. Warum sind so viele abgesprungen?

Axthammer:  Ich glaube schon, dass dort in München die richtigen Teilnehmer vor Ort waren. Es war eine gute Resonanz. Das war auch ein sehr guter Workshop, das lief alles sehr gut. Was vielleicht abgeschreckt haben mag, war vielleicht das Ergebnis des Workshops: Es wurden erst einmal ganz viele Aufgaben identifiziert, die – wenn man sie denn alle hätte lösen wollen – entsprechenden Aufwand bedeutet hätten. Es hätte eines weiteren Beraterhonorars bedurft, das auf die Firmen umgelegt worden wäre. Da haben viele kleine Firmen und Start-ups gezögert, weil sie sich zunächst auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und nicht in Netzwerkarbeit

investieren wollten. Es waren also zunächst ganz viele Aufgaben auf dem Tisch, und wir waren nicht in der Lage, zwei, drei kleine überschaubare Aufgaben herauszufiltern und in Angriff zu nehmen.

HZwei: Wie ist es dann weitergegangen? Hat dann die NOW wieder die Initiative übernommen?

Axthammer:  Es ist ja auch eine Aufgabe der NOW, neben dem Förderprogramm-Management auch nichtmonetär die Marktvorbereitung zu unterstützen. Ich habe deswegen das Thema an mich genommen, habe aber auch die Frage gestellt, ob die Industrie wirklich solch ein Netzwerk möchte und Vorteile und Nutzen für sich darin sieht. Weil ich von der Idee und einem „Gemeinsam sind wir stärker“ überzeugt war, habe ich nochmals einen kleineren Kreis von Unternehmensvertretern auf Entscheidungsträgerebene eingeladen. Wir haben uns dann im Mai 2011 für einen halben Tag in Bad Homburg getroffen und ein strammes Programm erarbeitet.

Colell:  Ja, das war sehr gut und produktiv. Der wirkliche Paradigmenwechsel zu dem ersten Workshop war, dass wir beschlossen haben, uns erst mal ein kleines und straffes Arbeitsprogramm vorzunehmen, damit Erfolge sichtbar werden. Das war ein wichtiger Punkt, um mit CPN noch mal neu zu starten. Das war pragmatisch und ein sehr guter Auftakt.

Menzel:  Es war gut, dass wir dort erste Arbeitspakete vereinbart haben wie beispielsweise bei der Wasserstofflieferung. Da hatten wir einen wunden Punkt gefunden, so dass es jetzt in naher Zukunft schon erste konkrete Ergebnisse geben wird.

HZwei: Die Gründung der NOW ist nun mehr als vier Jahre her. Woran liegt das, dass es trotzdem noch so lange gedauert hat, bis dieser neue Leuchtturm initiiert werden konnte?

Axthammer:  Bei den anderen Leuchttürmen hat es die Industriegruppierungen – im Verkehrsbereich die VES, im Hausenergiebereich die IBZ – schon vorher gegeben, das darf man nicht vergessen. Das war hier aufgrund des sehr diversifizierten Marktes, aufgrund der unterschiedlichen Größe und Heterogenität der Anbieter sowie des harten Kampfes um Kunden anders. Callux ist ein gefördertes Verbundvorhaben mit mehreren Partnern. Da haben sich mehrere Firmen zusammengefunden und sagen, wir bringen Brennstoffzellen ins Feld – damals waren es noch 800, jetzt heißt es 500 Stück. Das sind Betreiber und Hersteller, die ein gemeinsames Projekt umsetzen. Das haben wir hier bei CPN so nicht. Hier haben wir individuelle Projekte. Das heißt, eine Firma wie Heliocentris entwickelt und forscht und hat eigene Ideen, wo sie glaubt, dass Fördermittel hilfreich sein könnten. Das ist bei E-plus so und bei anderen Akteuren auch. Das sind aber alles individuelle Projekte, die hier entstehen. Wir erkennen aber, dass es Gemeinsamkeiten gibt, dass es Sinn macht, hier die Firmen an einen Tisch zu holen, um – trotz allen Wettbewerbs – gemeinsame Hürden aus dem Weg zu räumen. Alleine bin ich beispielsweise als kleiner Brennstoffzellenhersteller zwar sicherlich ein guter Ansprechpartner für einen großen Gaseversorger, werde aber nicht unbedingt beste Konditionen aushandeln können. Wenn ich mich hingegen mit anderen zusammentue und ein größeres Potential anbieten kann, dann kann ich gegebenenfalls auch einen besseren Einkaufspreis erzielen.

Colell: Ein Auto zu betreiben oder ein Haus zu versorgen sind ja sehr klare Applikationen, die jeder aus dem Alltag kennt, und die Unternehmen, die sich in den Leuchttürmen CEP und Callux zusammenschließen, haben gleiche Applikationen im Blick. Eine USV hat nicht den Sexappeal in der Außenwirkung. Außerdem war es wichtig, einen gemeinsamen Nenner für die vielen verschiedenen Applikationen in diesem Bereich zu finden und eine gemeinsame Stoßrichtung festzulegen. Man muss verschiedene Märkte und Applikationen unter ein Dach bringen. Unter dem Dach der CPN gibt es eine hohe Heterogenität von Märkten, ob ich in den Bereich Telekommunikationsindustrie, Verkehrsleittechnik oder industrielle Back-up-Lösungen in Deutschland oder autarke Energieversorgung in Indien gehe. Das ist ein Prozess, der einfach länger gebraucht hat.

HZwei: Herr Axthammer, im Frühjahr 2011 sagten Sie noch gegenüber der HZwei-Redaktion: „In diesem Bereich wird sich in den nächsten Wochen und Monaten extrem viel tun.“ Haben Sie damals vielleicht unterschätzt, was bis zum eigentlichen Projektstart noch alles dazwischenkommen könnte?

Axthammer: Nein, ich glaube nicht. Da muss man schauen, was denn im großen Segment Telekommunikationsmarkt passiert. Da gibt es Umstrukturierungen. Da sind ja große internationale Player, die sich Brennstoffzellen auf die Fahnen geschrieben haben, aber das Kerngeschäft war eben zu 99,9 % ein anderes. Die Brennstoffzelle ist ja nur ein ganz kleiner Bereich – aber mit großem Potential.

Menzel: Genau, die weltweit agierenden Unternehmen hatten alle irgendwelche Programme, in denen sie versucht haben, mit erneuerbaren Energien in Kombination mit Brennstoffzellen auf Märkten, wo es kein gutes Energieversorgungsnetz gibt, Fuß zu fassen. Die Unternehmen hatten Konzepte in der Schublade und suchten nach Anwendungsfeldern, wo sie das Konzept einmal in der Praxis zeigen konnten. So wurden etliche Teststationen realisiert, aber nur als Vorführobjekt, die bisher in der Praxis nicht zum Einsatz kamen. Für die Hersteller ist der Einsatz im realen Betrieb im Mobilfunknetz sehr willkommen. Wichtig ist, dass man einfach mal anfängt, dann bewegt sich auch etwas am Markt. Dann sind die Hersteller plötzlich da und sagen, wir können so etwas auch. Diese Dynamik, die sich entwickelt hat, das ist – so glaube ich – eine Erfolgsgeschichte, die sich CPN ein Stück weit auf die Fahne schreiben kann. Mittlerweile sind wir so weit, dass wir nicht mehr auf Mobilfunksystemtechnikhersteller angewiesen sind, sondern dass die Energietechnik komplett aus einer Hand dazugekauft werden kann von Unternehmen, die sonst nichts mit Mobilfunk zu tun haben. Wenn man immer nur wartet, bis die Technik komplett reif ist, nutzt man nicht die Dynamik, die man durch solch einen Leuchtturm erreichen kann.

Colell:  Das ist auch eine gute Chance für KMUs, sich auf USV-Anwendungen zu konzentrieren. Es gibt ja im industriellen Bereich sehr viele Nischen, und eine Nische kann für einen Mittelständler groß sein. So entschärft sich teilweise dann auch ganz schnell die Wettbewerbssituation, weil die verschiedenen Unternehmen unterschiedliche Applikationen anpeilen.

HZwei: Herr Colell, Sie fungieren ja als Sprecher für dieses Firmenkonsortium. Bitte erläutern Sie uns doch mal mit Ihren Worten das Ziel von Clean Power Net.

Colell:  Das Ziel ist Voraussetzungen zu schaffen, um sichere und zuverlässige Stromversorgungslösungen in den Markt zu bringen für die im CPN engagierten Unternehmen. Es geht darum, Standards zu setzen und auch eine sichere Infrastruktur für Brennstoffe wie Wasserstoff zu schaffen und letzten Endes auch Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben für das Thema. Wir müssen erst einmal so etwas wie „Lobbyarbeit“ machen. Wir haben jetzt schon bestimmte Arbeitskreise gegründet für Wasserstoff, für sonstige Brennstoffe, für Öffentlichkeitsarbeit. Die Unternehmen sind alle sehr engagiert. Wir machen die ersten Workshops, den ersten zum Thema „Brennstoffzellentechnologie im BOS Digitalfunk“, der in Kürze stattfindet. Man muss sagen, das hat sehr viel schneller Fahrt aufgenommen, als ich damals gedacht habe. Nach der ersten Hürde, die wir damals hatten, als man sich noch vorsichtig beäugt hat, ist es inzwischen viel entspannter geworden. Ich sehe jetzt in CPN eine Chance sich zu verbinden, an gemeinsamen Zielen zu arbeiten, bessere Voraussetzungen zu schaffen, um auch andere Märkte zu erschließen.

HZwei: Unter den 21 Firmen, die bei der Vollversammlung zugegen waren, sind ja etliche direkte Mitbewerber. Kann hier denn wirklich davon ausgegangen werden, dass die verschiedenen Akteure ihr mühsam erarbeitetes eigenes Know-how ausgerechnet mit dem Konkurrenten teilen?

Colell:  Natürlich ist es immer eine Gratwanderung, das ist es bei anderen Leuchttürmen auch, da sitzen die Mitbewerber ja auch mit am Tisch, aber wenn man nichts gibt, dann bekommt man auch nichts. Außerdem ist die Welt groß: Wenn ich mir zum Beispiel allein den weltweiten Telekommunikationsmarkt anschaue, dann gibt es dort sehr viele unterschiedliche Marktsegmente. Wenn wir nur einen kleineren Teil davon als Brennstoffzellengeschäft abbekommen, dann können wir doch glücklich sein. Wenn  noch einige andere deutsche Hersteller auch einen kleinen Teil davon abbekommen, dann sind diese auch glücklich. Ich glaube, dass man das gar nicht so streng sehen muss. Sondern die Brennstoffzellentorte, so nenne ich das mal, die ist doch noch so klein, das wir alles daran setzen sollten, diese Torte gemeinsam größer zu machen, dann sind auch unsere Stücke größer. Ich denke mal, zu glauben, wir konkurrieren nur um einzelne kleine Projekte, ist die falsche Sichtweise. Wir sollten daran arbeiten, die Torte größer zu machen. Und ich sehe das letztendlich als meine Aufgabe, das für die Unternehmen im CPN zu unterstützen.

HZwei: Herr Colell, neben Ihrem Sprecherposten sind Sie technischer Vorstand von Heliocentris. Ihr Unternehmen ist in mehreren Bereichen aktiv. Warum engagieren Sie sich jetzt gerade im USV-Sektor?

Colell:  Wir haben uns schon lange auf stationäre Brennstoffzellensysteme konzentriert, also für den Bereich sichere Stromversorgung, gerade im Bereich autarke Anwendungen. CPN ist also genau unser Thema. Durch die Übernahme von P21 letztes Jahr haben wir unser Engagement gerade im Telekommunikationssektor massiv verstärkt – auch weltweit.

Unser klares Ziel ist, für autarke Standorte Nullemissionslösungen anzubieten. Wir wollen Brennstoffzellen als Dieselersatz einsetzen, und zwar international. Der Telekommunikationsmarkt ist bisher zu 99,9 % nicht brennstoffzellenversorgt. Es gibt aber Millionen von Mobilfunkstandorten weltweit, davon ist ein großer Teil netzautark oder mit schlechtem Netz versorgt. Das heißt, das ist für uns perspektivisch ein sehr großer interessanter Markt, den wir bereits heute erfolgreich mit Energieeffizienz- und Management-Lösungen bedienen, so dass es für uns absolut Sinn macht.

HZwei: Die gleiche Frage gebe ich auch an Dr. Menzel weiter: Warum engagieren Sie sich gerade beim Thema Brennstoffzellen so stark?

Menzel:  Erneuerbare Energien werden im Mobilfunk- oder Telekommunikationsbereich wirklich nur in Nischen eingesetzt. Wenn ich aber Erfahrungen mit erneuerbaren Energien sammeln will, dann sollte ich das möglichst auch CO2 -neutral tun. Wenn ich da als Back-up-Lösung einen Dieselmotor betreiben würde, dann ist das ganze Konzept irgendwo fragwürdig. Deswegen hat sich für uns die Frage gar nicht gestellt, ob wir mit einem Diesel oder einer Brennstoffzelle arbeiten. So ergab sich fast zwangsläufig, Brennstoffzellen zu verwenden.

Wir haben uns den drei E’s verschrieben: Effizienz, Einsparung und Erneuerbare Energien. Der Stromverbrauch der einzelnen Mobilfunkstation wurde durch die Nutzung effektiverer Systemtechnik immer geringer, und irgendwann war die kritische Grenze von 2 kW unterschritten, so dass die Zeit reif war, mit dem Einsatz erneuerbarer Energien und Brennstoffzellen an Mobilfunkbasisstationen zu starten.

HZwei: Was sind für Sie konkret die Vorteile von BZ-Systemen gegenüber anderen Lösungen?

Menzel:  Sie haben immer dann ein Problem, wenn Sie im USV-Bereich bei mehreren Stunden sind, was im Telekommunikationsbereich an vielen Standorten relevant ist. Wenn Sie dann auf Batterien angewiesen sind, ist das eine sehr kostenintensive Technologie, weil die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit der standardmäßig verwendeten Batterien nach wie vor ein Problem darstellen. Da hat die Brennstoffzelle ein großes Entwicklungspotential. Wir haben schon vor etlichen Jahren Batterien gegen Brennstoffzellen an einzelnen Standorten ausgetauscht, weil sich einfach im Wettbewerb darstellte, dass das wirtschaftlicher ist. Auch in Deutschland gibt es Standorte, wo Sie einige Kilometer bis zum Stromversorgungsnetz haben. Das heißt, Sie müssten dort für den Anschluss einer Mobilfunkstation pro Kilometer 30.000 bis 40.000 Euro in die Hand nehmen. Bei zwei oder drei Kilometern sind Sie dann schon bei 100.000 Euro. Wenn Sie so einen Standort autark betreiben können, haben Sie dieses Geld schon mal auf der Habenseite. Noch ist die Mobilfunktechnik nicht so effizient, dass man das Ganze richtig wirtschaftlich betreiben kann. Aber als wir die 2-kW-Grenze unterschritten haben, haben wir gesagt, jetzt könnte das wirklich interessant werden. Ich denke, der großflächige Einsatz für die Brennstoffzelle im Mobilfunk wird relevant werden, wenn die Technik so effizient ist, dass man unter 1 kW kommt. Die Brennstoffzelle mit ein oder zwei kW ist dann genau die richtige Technologie als Back-up.

HZwei: Kann man hier denn wirklich schon von einem Markt im USV-Bereich sprechen?

Colell:  Na ja, ich würde sagen, wir sind an der Schwelle zu Stückzahlen. Es ist also nicht mehr so, dass man nur über Einzelprojekte spricht. Diese Schwelle nehmen die Player international gerade. Wenn man die Stückzahlen anschaut, würde ich sagen, kann man von Markteintritt sprechen. Wie wirtschaftlich das für alle Beteiligten ist, da muss man allerdings im Augenblick noch vorsichtig sein. Man kann sagen, das ist im Prinzip eine Markteintrittsphase, die sich aber noch nicht in der Gewinnzone befindet. Viele Fälle fangen an, sich zu rechnen. Die Brennstoffzelle wird langsam hoffähig von ihrer Performance, von ihren Kosten. Wir sind an einem guten Punkt.

Axthammer:  Mein Verständnis von Markteintritt und Marktvorbereitung ist so, dass in der Marktvorbereitung erste Geräte herausgebracht werden, die aber noch keinen Gewinn bringen, zwar Umsatz, aber letztlich bin ich noch nicht in der Gewinnzone. Selbst der Beginn der Markteintrittsphase verspricht noch keine Gewinne. In dieser Phase sind die Unternehmen noch auf entsprechende Förderung angewiesen, wie auch der Blick auf das internationale Marktgeschehen zum Beispiel in Japan und USA deutlich zeigt.

Colell:  Wenn man das so definiert auf jeden Fall. Wir befinden uns sicherlich noch in der Zone, wo es finanziert werden muss – durch Fördermittel oder Kapital. Es ist noch kein sich selbst tragendes Geschäft.

HZwei: Über was für Stückzahlen sprechen wir hier denn überhaupt?

Colell:  Das ist schwer zu sagen. Ich glaube schon, dass alle Hersteller in Summe pro Jahr wahrscheinlich die Tausend schon überschreiten.

Menzel:  Wie schon gesagt, das ist natürlich überschaubar. Wir haben Fördermittel für bis zu 13 Standorte beantragt. Der erste läuft seit einem Jahr. Wir sind da im Gange. Bis man aber in Deutschland auf große Stückzahlen kommt, dauert es noch mehrere Jahre. Anders vielleicht im BOS-Digitalfunk. Ich glaube, dass bei den dort geforderten Back-up- Zeiten für Brennstoffzellen ein echter Markt besteht.

HZwei: Und wie sieht bei Ihnen die weitere Planung konkret aus?

Menzel:  Es zeigt sich, dass das Zusammenspiel mit den Behörden doch etwas komplizierter wird. Wenn man ein Windrad installiert, bedarf es zusätzlicher Erklärungen und Genehmigungen, aber auch beim Thema Brennstoffzellen. Da werden zum Beispiel zusätzliche Sicherheitskonzepte erfragt. Von daher ist es schwer zu sagen, wie es nach der Testphase weitergeht. Wir haben bisher keine Planung, die über die 13 geförderten Standorte hinausgeht. Wir müssen erst einmal Erfahrungen sammeln. Wir müssen sehen, wie der Betrieb läuft, wie oft die Wartung erfolgen muss, welche Kosten entstehen. Auch haben wir beim ersten Standort geringfügig höhere Ausfallraten als bei anderen Standorten. Das sind neue Erfahrungen. Das muss sich einspielen, dann schauen wir mal, wie es nach 2015 weitergeht.

HZwei: Was fehlt jetzt noch, damit hier ein wirklicher Durchbruch erfolgen kann?

Menzel:  Was uns zum Beispiel Kopfzerbrechen bereitet hat, ist der Umstand, dass die Rahmengestelle der Flaschenbündel nicht genormt sind. Unterschiedliche Hersteller haben unterschiedliche Größen. Der Raum, den Sie für die Bündel vorsehen müssen, muss daher unterschiedliche Größen aufnehmen können.

Die zweite Hürde ist, dass der Lieferant den Wasserstoff nicht ohne weiteres anschließen will. Wenn aber extra ein eigener Techniker anwesend sein muss, hat man eine zweite Anfahrt, was dann die Kosten nach oben treibt.

HZwei: Herr Axthammer, vereinzelt wurden Stimmen laut, die kritisieren, dass sich ausländische Firmen über deutsche Tochtergesellschaften am NIP beteiligen und so von der hiesigen Förderung profitieren. Wie wollen Sie so etwas unterbinden?

Axthammer:  Wenn eine Firma ihren Sitz in Deutschland hat, dann ist sie per se erst einmal eine deutsche juristische Person und als solche als Antragssteller berechtigt. Grundsätzlich dient das NIP dazu, Wertschöpfung in Deutschland zu generieren, hier Arbeitsplätze zu halten und zu schaffen.

Da muss man natürlich genauer hinschauen: Haben wir hier einen Einzelkämpfer als Vertriebsstandort oder haben wir eine Gesellschaft, die Komponenten bezieht, veredelt und eigene Entwicklungsleistungen betreibt und dergleichen. Im Falle einer Vertriebs-GmbH haben wir gute Argumente zu sagen, hier wird keine Wertschöpfung generiert, sondern das ist reine Vertriebsaktivität. Die können wir nicht unterstützen. Der Vertriebler kauft ein Gerät aus dem Ausland ein und verkauft es mit ordentlicher Marge und will sich dann nicht mehr drum kümmern. Das ist natürlich legitim, kann aber nicht Gegenstand der NIP-Förderung sein.

HZwei: Herzlichen Dank, meine Herren, für Ihre ausführlichen Antworten.

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