28.07.2017

Clean Power Net – Starkes Bündnis

Clean Power Net (CPN) ist ein offener, bundesweiter und branchenübergreifender Zusammenschluss von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 2010 wurde das Netzwerk von 12 Unternehmern gegründet, um den Einsatz der Brennstoffzellentechnologie nachhaltig zu fördern.

Initiator ist die NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie mit der Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.

Durch Wissensaustausch und die klare Ausrichtung gemeinsamer Interessen werden Kräfte gebündelt. Im Clean Power Net findet heute eine synergetische Zusammenarbeit von 23 Unternehmen statt – trotz zunehmender Konkurrenzsituation, stark diversifizierter Märkte und unterschiedlichster Brennstoffzellentechnologien. Gemeinsam aber lassen sich Hindernisse bei der Marktvorbereitung und -einführung von Brennstoffzellen in Industrie- und Business-Anwendungen leichter abbauen. Innovatoren, Hersteller und Anwender von Brennstoffzellentechnologien agieren Hand in Hand mit Forschungs- und Entwicklungsinstituten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken.

Brennstoffzellen wandeln Brennstoffe (Wasserstoff = gut speicherbar, Methanol, Erdgas, Flüssiggas) und Sauerstoff (aus der Luft) hoch effizient und schadstofffrei direkt in Strom, Wärme und Wasser um. Sie bieten in der Stromversorgung im Vergleich zu konventionellen Lösungen zahlreiche technische Vorteile wie eine höhere Lebensdauer, längere Überbrückungszeiten und einen geringeren Energieverbrauch. So weist CPN den Weg in eine effiziente, intelligente und ressourcenschonende Zukunft

Die Brennstoffzellen-Märkte verteilen sich laut Jörissen aktuell auf die Branchen In- formationstechnologie, Telekommunikation, Industrielle Prozessautomatisierung, Industrielle Leittechnik, Verkehrsleittechnik und Energieversorgung/Verteilernetz- betrieb.

Die einzigartige Eigenschaft der Brennstoffzelle, elektrische Energie auf leise, vibrations- und geruchsfreie sowie schad- stoffarme oder -freie Art zu erzeugen, ermöglicht eine Vielfalt von zuverlässigen und sicheren System- und Hybridsystem Applikationen. Diese Systeme können als Notstromversorgung oder Netzersatz- lösungen eingesetzt werden, vorhandene Energieversorgungssysteme optimieren und ergänzen, unwirtschaftliche und unökologische Lösungen ersetzen sowie als Primärenergieversorgungen in ländli- chen bzw. „off-grid“ Regionen fungieren.

Notstromsysteme, Netzersatzanlagen oder Primärenergieversorgungsanlagen werden meist mit Verbrennungs-Generatoren ausgerüstet, die fossile Brennstoffe wie Diesel oder Benzin verbrauchen. Gegenüber diesen Systemen zeigen Brennstoffzellen-Energieversorgungssysteme klare Vorteile:

– keine Emission von Schadstoffen
– keine Lärmentwicklung und keine Vibrationen
– geringer Platzbedarf
– geringes Gewicht
– kein Brennstoffdiebstahl wie bei Diesel und Benzin
– lange Überbrückungszeiten (Notstrom)
– lange Lebensdauer bei hohem Wirkungsgrad
– geringer Instandhaltungsbedarf
– höhere Zuverlässigkeit im Betrieb
– sie sind modular und leicht zu erweitern
Weltweit gibt es in den „Emerging Markets“ ca. 1,2 Mio. Mobilfunk-Standorte, die über ein schlechtes Stromnetz oder gar keinen Stromanschluss verfügen. Heute verbrauchen dort Dieselgenerato- ren bis zu 20.000 Liter Diesel pro Mobil- funkmast bei teilweise unbefriedigender Versorgungssicherheit der Standorte. Brennstoffzellen-Hybridlösungen sind die umweltfreundlichere und preiswerte- re Lösung und können Dieselgeneratoren dort sukzessive ersetzen.

Der Leistungsbereich von Produkten und Systemen der Clean Power Net-Partner liegt bei Brennstoffzellen-Modulen im kontinuierlichen Leistungsbereich von 350 W bis 33 kW. Die Batteriebetriebszeit ist abhängig vom Brennstoff und/oder Lagerbeständen. Brennstoffoptionen sind Wasserstoff, Methanol und Propan. Zertifizierte Module sind verfügbar. Bei schlüsselfertigen Lösungen Indoor/Outdoor liegt der Leistungsbereich zwischen 350 W bis 100 kW.

Nach Jörissens Ausführungen wurden deutschlandweit bislang 300 Brennstoffzellen-Anlagen im Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brenn- stoffzellentechnologien (NIP) installiert. Konkret bedeutet das eine sichere Strom- versorgung für kritische Infrastrukturen.

Das bislang wichtigste deutschlandweite Referenzprojekt von CPN besteht über sein Mitglied BOS-Net-Brandenburg. Im Land Brandenburg gewährleisten 116 bereits installierte und fernüberwachte Brennstoffzellensysteme die Notstromversorgung für das bundesweit einheitliche Digitalfunknetz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Das NIP fungierte bei diesem Projekt als Co-Financier.
E-Plus wiederum errichtete im nordrhein-westfälischen Büren eine netzautarke Mobilfunkstation mit Brennstoffzellen. Hierbei handelt es sich um eine schlüsselfertige Lösung.

Fakt ist: Das Interesse an Brennstoffzellen für die Notstromversorgung wächst bran- chenübergreifend. Denn die Technologie kann beispielswiese auch bei IT-Servern, in Krankenhäusern, Banken, Flutwarnsystemen oder in der Leit- und Steuertechnik in der Industrieproduktion eingesetzt werden. Zudem ist der Einsatz von Brennstoffzellen auch bei kleinen Inselnetzen („Microgrids“) möglich. Dazu zählen Hotels, Resorts, Gewerbe sowie kleine Ansiedlungen und Dörfer.

Dr. Ludwig Jörissen / Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung BW (ZSW)

Bayerische Gemeinde Zeitung, Nummer 14 / Juli 2017