20.10.2011

Auf ins Grüne!

NETZBETREIBER UND -DIENSTE

Als Nachzügler in den deutschen Mobilfunkmarkt gestartet, hat man beim Anbieter E-Plus nicht immer auf das richtige Pferd gesetzt, um im harten Wettbewerb mitmischen oder gar vorneweg galoppieren zu können. Man erinnere sich nur an den Datendienst i-Mode, der in Europa floppte und mittlerweile wieder eingestellt wurde. Wie auch die Unternehmensausrichtung über die Jahre wohl nicht als stringent bezeichnet werden kann. Zufrieden scheint das Unternehmen offenbar dennoch mit dem bisherigen Kurs: „Wir sind nicht die Größten, aber ständig die Ersten“, fasst der Mobilfunkbetreiber die eigene Standortbestimmung in einem Unternehmensflyer zusammen.
Mit Innovationen wie der ersten Flatrate oder den ersten Minutenpaketen sei man nicht nur zum „Motor der Branche“, sondern zum „am profitabelsten wachsenden Unternehmen im Mobilfunk“ avanciert, heißt es dort weiter. Kaum etwas falsch machen kann das Management mit der jetzigen verstärkten „grünen“ Ausrichtung. Grün ist „in“, und als Farbe des Firmenlogos steht sie derzeit für die Verknüpfung von ökologischen und ökonomischen Zielen bei E-Plus. Beispielsweise gebe es ein umfassendes Umweltmanagement sowie eine Kooperation mit dem Naturschutzbund Nabu.

Es rechnet sich

Was die ökonomischen Ziele angeht, kann man mit „grün“ inzwischen sogar Kosten einsparen: Von den über 20.000 E-Plus-Basisstationen sind rund 2.300 klimatisierungsbedürftig – bisher gekühlt mit energieintensiven Raumklimageräten. Diese sollen in einem Pilotprojekt nun zunächst in 50 Stationen – finanziell mit 146.000 € gefördert aus dem Umweltinnovations-programm – durch sog. Hybridlüfter ersetzt werden; zur Ermittlung der Praxistauglichkeit seien dann insgesamt über 200 Umrüstungen vorgesehen. Die neuartigen Geräte der Berliner Firma Ventfair arbeiten kühlmittelfrei und windangetrieben und benötigen nur bei Windstille Unterstützung durch einen Elektromotor. Über 97 % an Stromkosten sollen sich damit einsparen lassen. Bei rund 200 Standorten, so Ventfair-Geschäftsführer Andreas Pirschel, entspräche das etwa 300.000 € pro Jahr.

Abgenabelt

Man geht aber noch einen weiteren, vermutlich ebenso zukunftsweisenden Weg: Als erster Mobilfunkanbieter in Deutschland hat E-Plus im Frühjahr in Versmold eine von Nokia Siemens Networks (NSN) installierte sog. energieautarke Basisstation in Betrieb genommen. Ohne Anbindung an das Stromnetz wird die auch für den Sender benötigte Energie hierbei je nach Wettersituation von Windkraft, Photovoltaik, Brennstoffzelle oder Akkumulator geliefert. Die Steuerung der Komponenten übernimmt der von NSN entwickelte Green Energy Controller; für die Netzüberwachung und -Optimierung sowie Fernwartung wurde die Netzwerkmanagement-plattform NetAct des Unternehmens entsprechend erweitert. Auch für dieses Projekt gibt es eine staatliche Förderung; Anfang September wurde E-Plus vom Bundesverkehrsmi nisterium (BMVBS) in Berlin vor der Presse der symbolische Scheck in Höhe von rund 2,3 Mio. € aus dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) übergeben. Damit sollen sich etwa 30 % der Gesamtprojekt kosten abdecken lassen. Christoph Müller, Energy Solution Architect bei NSN, konnte während der Veranstaltung über erste Erfahrungen aus dem Projekt berichten. Im August z.B. hätte der Beitrag der Sonnenenergie über den Erwartungen, der der Windenergie darunter gelegen. Die Erprobungsphase biete nun die Möglickeit, die Anlage über das Einstellen der Parameter per Fernwartung, mit dem NetAct Energy Data Management, zu optimieren. (Die Funktionsweise der Energielösung kann man sich anhand einer Simulation unter www.eplus-gruppe.de/energieeffizienz anschaulich und interaktiv darstellen lassen.) Bei der sehr komplexen Lösung sei es auch ein Unterschied, ob die Basisstation am Meer oder in den Alpen stehe. Nach den Ausführungen von Dr. Karsten Menzel, Department Manager Environment, Health & Safety der E-Plus-Gruppe, wird dies in Zukunft sowohl als auch der Fall sein. Mit dem aufgelegten Programm der autarken Sendestationen wolle man bis zu 13 Standorte realisieren – über ganz Deutschland verteilt, um aus den unterschiedlichen geografischen und meteorologischen Gegebenheiten zu lernen. Vor allem gehe es auch darum, das Verhalten der Brennstoffzelle nicht nur als Backup-Medium, sondern als Energielieferant über eine längere Einsatzdauer zu erproben, ebenso wie die Zwischenspeicherung von Windund Sonnenenergie. Laufe es wie geplant, werde man den nächsten Standort auch noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen können; die weiteren sind dann bis Ende 2015 vorgesehen. Dies sei auch ein Beitrag dazu, die Lösung zu einer Marktfähigkeit zu entwickeln. Und es kann E-Plus nicht zuletzt dabei unterstützen, die Energieeffizienz wie vorgesehen bis zum Jahr 2020 um 20 % zu steigern.

Hans Weiß

Foto (H. Weiß): Dr. Gunnar Bender (l.), Mitglied der Geschäftsleitung von E-Plus, und NSN-Experte Christoph Müller während der Präsentation erster Ergebnisse aus dem Projekt der emissionsfreien und energieautarken Basisstation.

KONTAKT

Frank Backasch
NET Verlagsservice GmbH
PF 1113
15567 Woltersdorf
Tel.: 03362 75858
Fax: 03362 75857

E-Plus-Gruppe : www.eplus-gruppe.de