27.02.2012

1. FVI-Forum bei Rittal: Brennstoffzelle und Instandhaltung

Wie lässt sich die Brennstoffzellentechnologie für die industrielle Instandhaltung einsetzen und welche Chancen bietet sie?

Welche Anforderungen werden gestellt?

Dieser Fragestellung gingen am 2. und 3. Februar 2012 Experten aus Industrie und Forschung auf dem 1. Forum „Brennstoffzelle und Instandhaltung“ des FVI (Forum Vision Instandhaltung) in der Rittal Unternehmenszentrale in Herborn nach. Dabei stellte die Projektgruppe „Fuel Cell for Maintenance“ gemeinsam mit Anwendern erste Ergebnisse und den aktuellen Stand der Brennstoffzellentechnologie für die industrielle Instandhaltung vor.

Zuverlässige, unterbrechungsfreie Stromversorgungen  (USV) sind heute in der Informations-, Kommunikations- und Anlagentechnik für  einen wirtschaftlichen Betrieb ein absolutes Muss. Dabei sind die Anforderungen  sehr hoch: Stromversorgungen müssen höchstmögliche Verfügbarkeit, Redundanz  sowie Standortunabhängigkeit gewährleisten. Die ressourcenbewusste  Stromerzeugung auf Basis einer umweltfreundlichen und gleichzeitig effizienten  Technologie rückt dabei immer mehr in den Fokus. Hier bietet die  Brennstoffzellentechnologie zur Stromversorgung deutliche Vorteile gegenüber  herkömmlichen Systemen auf Basis von Batterien oder Dieselgeneratoren.

„Die  Brennstoffzelle wird sich zu einem wesentlichen Element der Instandhaltung  durchsetzen”, betonte Harald Neuhaus, Vorsitzender des Vorstandes des FVI, der  die Veranstaltung moderierte. „Ziel ist es, die Brennstoffzellentechnologie als  zuverlässige Technologie zu vermitteln.“ Einsatzschwerpunkte von  Brennstoffzellensystemen sieht Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung und  Entwicklung bei Rittal, vor allem in industriellen Anwendungen. „Rittal ist  bereits heute in der Lage, komplette Systeme zu liefern. Wir halten die Brennstoffzellentechnologie gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern für ein  Zukunftsthema“, so Steffen.

Was Brennstoffzellen heute im industriellen Umfeld leisten können, zeigte Prof.  Dr. Birgit Scheppat von der Hochschule Rhein Main, Wiesbaden, und im Vorstand  der H2BZ-Initiative Hessen e.V., auf. Mit der Brennstoffzelle lassen sich, so  die Expertin, nicht nur kritische Infrastrukturen sicher mit elektrischer  Energie versorgen, sondern auch Spitzenbedarfe abdecken. Von Vorteil sei die  effiziente, geräuscharme und emissionsfreie Technik, die als Abfallprodukt  lediglich Wasser liefere. Dabei hätten Brennstoffzellen eine deutlich höhere  Sicherheit gegenüber Batteriesystemen vergleichbarer Energiedichte sowie höhere  Wirkungsgrade als Verbrennungsmotoren.

Versorgungssicherheit hat beim zweitgrößten Stahlwerk in Deutschland, dem  Hüttenwerk Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg, höchste Priorität, unterstrich  Wolfgang Graf. Netzstörungen, Netzausfälle, Spannungseinbrüche und  Spannungsspitzen sowie Unter- und Überspannungen müssen sicher beherrscht  werden. Dabei sollen USV-Anlagen gegenüber üblichen Systemen wartungsärmer sein.

Das erste Unternehmen in seiner Branche, das die Brennstoffzellentechnologie im  Live-Betrieb testet, ist die Aluminium Norf GmbH aus Neuss. „AluNorf hat mit  diesem Projekt sowohl national als auch international ein  Alleinstellungsmerkmal“, betont Dr. Manfred Jeude von Aluminium Norf. Seit Juli  2011 testet der Aluhersteller die Zuverlässigkeit von RiCell Flex  Brennstoffzellensystemen von Rittal (7,5 kW) als Netzersatzanlage für die  Feuerwehrzentrale, den Krisenleitstand und die Sanitätsstation. Bislang war der  Test problemlos und ohne Wartungskosten verlaufen. „Die Brennstoffzelle ist dann  besonders interessant, wenn lange Verfügbarkeiten und kleinere Leistungen  erforderlich sind“, erklärt Jeude die Vorteile.

Dass sich Brennstoffzellen im Bereich unterbrechungsfreie Stromversorgung  rechnen werden und für die industrielle Anwendung bereits heute kommerziell  interessant sind, bestätigte Johannes Schiel, Referent Brennstoffzelle vom  Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Verschiedene Studien zeigten  auf, dass der Bereich „Stromversorgung Business“ in den kommenden Jahren ein  Milliardenvolumen aufweisen wird.

Welche Potenziale die Brennstoffzellentechnologie bereits heute hat, und welche  neuen Ideen aktuell umgesetzt werden, erläuterten Prof. Dr. Brodmann von der  Fachhochschule Gelsenkirchen und Lars Frahm von N2telligence. So geht auf der  Technologieseite die Modularisierung mittlerweile bis zu einzelnen Zellen.  Anwendungsseitig kommen neue Ansätze wie die Verwendung von  sauerstoffreduzierter Abluft als Brandschutz hinzu.

Hartmut Paul, Rittal, freute sich als Leiter der Projektgruppe „Fuel Cell und  Maintenance“ über die gute Resonanz und forderte die Teilnehmer auf, sich auch  in Zukunft für einen engen Austausch zwischen Forschung, Verbänden und vor allem  Anwendern einzusetzen. Nur durch ein gemeinsames Verständnis der Applikationen  und Anforderungen, unterstützt durch fundierte Information der Anwender wie zum  Beispiel technische Leitfäden sei es möglich, eine neue Technologie erfolgreich  einzuführen.

Portal Deutsche Industrieauskunft / Energie / 27.02.2012

http://www.iw-online.de/index.php?id=7227&einzelbeitrag=1&abid=a3_1

Quelle: Rittal GmbH & Co. KG, D-35745 Herborn

http://www.rittal.de